98 EUR
ISBN 978-3-88619-338-7
Berliner Beiträge zur Kritischen Theorie
Band 9 und 10
Details

Kurt Flasch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (bei Erscheinen der italienischen Ausgabe):
„Wer riskiert hierzulande schon eine minutiöse Analyse des Gesamtwerks Nietzsches? Aus Italien kommt der massiv-gelehrte Einspruch, auf den wir gewartet haben. Ein neues Nietzsche-Bild, hart an den Quellen: Domenico Losurdo liest den Philosophen auf detaillierte Weise konsequent politisch. Es gibt nicht viele Bücher über Nietzsche, aus denen man so viel lernen kann wie aus diesem. Losurdo hat der europäischen Nietzsche-Gemeinde einen massigen Stein in den Vorgarten geworfen. Es wird vergnüglich sein zu sehen, wie man sich an ihm zu schaffen macht.“

Nietzsche politisch lesen!

Der italienische Publizist und Professor für Philosophie Domenico Losurdo entwickelt entlang der Formel des »radikalen Aristokratismus« einen Leitfaden zur detaillierten Recherche durch Friedrich Nietzsches Werk, Leben und Umfeld. Am Ende der Analyse sämtlicher Bücher, Briefe und Traktate steht ein neues Nietzsche-Bild: der Philosoph, eingewoben in die Diskurse seiner Zeit, als Verfechter einer aristokratischen Reaktion, als Kämpfer gegen Demokratie, Sozialismus und Gleichheitsbestrebungen.
Losurdos Untersuchung durchbricht eine unfruchtbare Frontstellung, die die Nietzsche-Forschung beherrscht: auf der einen Seite eine »Hermeneutik der Unschuld«, die die brutalsten Stellungnahmen des Philosophen als kunstvolle, tiefsinnige Metaphern verstehen will, auf der anderen Seite ein von Lukács geprägtes Paradigma, das Nietzsche dem »Irrationalismus« zuordnet und als unmittelbaren geistigen Vorläufer des NS-Staats behandelt. Indem Losurdo die Philosophie Nietzsches im historischen Kontext des späten 19. Jahrhunderts untersucht, wird ein ideologisches Geflecht sichtbar, das Nietzsche als Teil einer gesamteuropäischen Bewegung zur Abwehr und Überwindung der Französischen Revolution und des von ihr eingeleiteten Revolutionszyklus zeigt.

Eine Veröffentlichung des Instituts für Kritische Theorie
Deutsch von Erdmute Brielmayer
Herausgegeben und mit einer Einführung von Jan Rehmann
1004 Seiten, gebunden
Berliner Beiträge zur Kritischen Theorie Band 9 und 10



Ernst Nolte im Jahrbuch für Extremismus und Demokratie, Band 15
(bei Erscheinen der italienischen Ausgabe):
»
Domenico Losurdo, Professor an der Universität Urbino und Anhänger der „Rifondazione comunista“, ist einer der profiliertesten Linksintellektuellen Italiens. Nur wenige Italiener dürften die Originalschriften des Deutschen Idealismus, des Marxismus und des philosophisch-historischen Denkens der Gegenwart in Deutschland so gut kennen wie er; mehrere seiner Bücher sind ins Deutsche übersetzt worden. Die erste Eigentümlichkeit seiner Studie ist sinnlich wahrnehmbar: Es handelt sich um ein sehr umfangreiches Werk von nahezu 1.200 Seiten. Innerhalb der Nietzsche-Literatur ist es in der Nähe des Standardwerks von Charles Andler über  „Nietzsche, sa vie et sa pensée“ und der großen Biographie von Carl Paul Janz anzusiedeln. Ein zweites Hauptmerkmal des Buches von Losurdo besteht darin, daß Marx und Engels als die Hauptgegenspieler Nietzsches betrachtet werden und auch dann präsent sind, wenn von ihnen nicht ausdrücklich die Rede ist. Was Nietzsche bejaht, wird von Marx verabscheut: das Sklaventum, die Ausbeutung, die Ungleichheit, der Widerstand gegen die Emanzipation der Arbeiter, der Frauen,  der Kolonialvölker. Dem Reaktionär Nietzsche steht in Marx der Emanzipator und Vorkämpfer des Fortschritts gegenüber. Das dritte Hauptmerkmal dürfte der beträchtliche Platz sein, der den intellektuellen Zeitgenossen Nietzsches eingeräumt wird: Renan, Tocqueville, Gobineau, Mill, Carlyle, Heine, Richard Wagner. Wer die Nietzsche-Literatur als ganze vor Augen hat, erkennt, daß Losurdos Interpretationsweise keinesweg vorherrscht, aber unzweifelhaft legitim ist. Meines Wissens gibt es in diesem Bereich nichts, was nach Umfang und Anspruch auch nur entfernt mit dem Buch von Losurdo vergleichbar wäre.«




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